Ehre das Mutterherz …

… solange es schlägt, wenn es zerbrochen ist, ist es zu spät.

Es war ein mal eine kleine Familie. Ein Mutterherz und ihre zwei Töchter. Von dem Vater der einst ebenfalls zu dieser Familie gehörte, hatte sich die Mutter schon getrennt. Mit der Trennung von Stella und Egon war Lilly ganz schön verunsichert. Sie wusste nicht ganz – wo sie hingehörte, denn irgendwie fehlte immer ein Teil. Daraufhin entschloss sich Lilly, die mit Stella alleine lebte, ihr eigenes Leben aufzubauen. Sie zog dahin, dorthin – sie war eigentlich überall und nirgends, nur Stella bekam sie kaum zu Gesicht. Wenn Lilly und Stella sich doch mal gesehen haben, gab es nur Stress. Da wurde über den Haushalt geschimpft, über die Freunde und über jede Kleinigkeit die sonst noch so anfielen. Jedoch waren die Beiden räumlich getrennt, konnten sie über alles reden und schreiben. Lilly ist ja auch älter geworden und hatte in einem Urlaub den Arbeitskollegen von Stella kennen gelernt. Erstaunlicherweise dauerte es ziemlich lange ehe die beiden ein Paar waren. Die erste Zeit war Lilly glücklich. Denn Stella und sogar Egon fingen an gegen Torsten (der Arbeitskollege von Stella und Freund von Lilly) zu reden. Sie haben es alle nur gut gemeint, doch Lilly war blind – blind vor Liebe. Sie hatte nicht gesehen, wie Torsten wirklich war. Der Druck untereinander wurde immer größer.

Eines Tages musste Stella mit Lilly reden. Stella stellte fest, dass sie einen Knoten in der Brust hatte. Angeblich, so wenn man den Ärzten vertraut, war er gutartig. Stella jedoch entschloss sich den Knoten aus der Brust trotzdem entfernen zu lassen. So geschah es dann auch. Im Krankenhaus eröffnete man ihr, das nach einer weiteren Gewebeprobe der Knoten doch bösartig sei und das die Brust abgenommen werden muss. Ganz aufgelöst lief Lilly durch die Stadt. Sie traf Torsten. Er war mit Stella ziemlich verkracht. Von ihm konnte Lilly einfach nichts erwarten. Seine Reaktion als sie es ihm sagte war: Krebs ist heilbar. Noch aufgelöster fuhr sie zu ihrem Vater. Der Gesichtsausdruck von Egon blieb kühl und seine Reaktion daraufhin war nur ein Satz: Ich habe mich von Stella getrennt es interessiert mich nicht mehr. Für Lilly war das wie ein Stich ins Herz. Sie suchte doch nur jemanden der sie mal ganz ohne Worte in den Arm nimmt. Stella hielt sich Wacker, sie tat alles was Ärzte empfohlen und dennoch versuchte sie das Leben zu genießen. Obwohl Lilly wusste das Monika nicht gerade den besten Befund hatte, haben sie sich immer noch in den Haaren gelegen. Auf ihrem Geburtstag ist sie Wutentbrannt wieder zu Torsten gefahren. Dabei konnte sie den Gedanken nicht verwerfen, dass es vielleicht der letzte Geburtstag sein könnte den Stella mit erlebt.

Wo war das Mutterherz? Warum hatten wir Streit?

Sie hatte mit Stella den heftigsten Streit seid jeher. Dann wurde Stellas Befund schlimmer und Lilly begriff immer noch nicht den ernst der Lage. Stella musste in eine Krebsklinik eingewiesen werden. Als Lilly das erfuhr, setzte sie sich Tränen auflösend ins Auto und fuhr zu Torsten. Denn 350 km Autobahn allein, traute sich Lilly nicht zu. Angekommen bei Torsten, erzählte sie ihm was vorgefallen ist, doch Torsten weigerte sich strickt mit zu fahren. Lilly wusste nicht was sie tun sollte, also setzte sie sich doch alleine ins Auto und wollte losfahren. Doch in letzter Sekunde hat sie Torsten davon abgehalten und hat gesagt er kommt mit, jedoch erst nächsten morgen. Sie fuhren natürlich gleich ins Krankenhaus. Stella wollte ein Spaziergang machen. Sie gingen einfach nur vor die Tür, setzten sich auf eine Parkbank und unterhielten sich. Stella nahm Lillys Hand und sie redeten davon, wie sie beerdigt werden möchte, wenn sie verstirbt. Lilly wollte es nicht glauben, verkniff sich die Tränen rollen zu lassen. Sie blieb stark, zeigte Stella gegenüber keine Angst bzw. Schuldgefühle. Nach vier Stunden verlies Lilly ihre Mutter, denn sie konnte es einfach nicht ertragen und sie mussten ja auch die 350 km wieder zurück. Bei Stella übernachten, das war für Torsten nicht möglich, denn es war auch nicht seine Mutter die ernsthaft krank war. Ein Wochenende später dürfte Stella aus dem Krankenhaus, da sie vom Befund her ziemlich stabil war. Da schon ziemlich viele zu Besuch kamen entschied sich Lilly das nächste Wochenende zu ihr zu fahren und besuchte den Hamburger Dom.

… war es schon zu spät?

Lilly musste immer an Stella denken, denn es hätte ja ihr letztes Wochenende sein können. Dennoch fuhr Lilly dieses Wochenende nicht zu ihrer Mutter, die Hoffnung war zu groß, das auch noch nächstes Wochenende tun zu können. Leider gab es kein nächstes Wochenende mehr. Natürlich rief sie Stella jeden Tag an. Doch diese Woche war es nicht wie sonst. Stella klang, als sei sie geistig abwesend. Mitten im Satz, Lilly und Stella unterhielten sich davon wie nett Peter ihr neuer Freund war. Das er sie mit Blumen überhäufte und andere Dinge. Mitten im Satz bekam Lilly nur zu hören: „Der Film ist zu Ende“ und Stella legte auf. Am Dienstag bekam Lilly Stella gar nicht mehr an den Hörer, denn Sessilia hatte das Telefon abstellen lassen. Stella wurde mit Morphium vollgepumpt und bekam kaum noch etwas mit. In der Nacht wurde Stella dann auf die Intensivstation verlegt und Sessilia wurde gesagt, dass Stella wahrscheinlich die Nacht nicht überleben wird. Als Lilly sich mit Sessilia unterhielt, dachte sie sich so was schon, da sie doch Stella nicht erreichen konnte. Am Mittwoch wartete dann Lilly nur noch auf den Anruf ihrer Schwester, die ihr dann sagte, dass Stella ganz ruhig eingeschlafen ist.

Lilly hatte die Chance verpasst mit Stella eine Aussprache zu führen. Sie hatte nicht mal mehr die Möglichkeit ihrer Mutter zu sagen, dass sie – egal was jemals passiert ist – sie ganz dolle lieb hat. Lilly hatte es ihr zwar noch am Montag gesagt, dennoch weiss Lilly, das Stella auch das nicht mehr richtig aufgenommen hat. Lilly kann nur jedem Raten, seid nett zueinander, genießt es wenn Eure Eltern leben, denn wenn das Herz versagt hat man nie wieder die Gelegenheit dazu.

An dem Spruch:

Ehre das Mutterherz solange es schlägt,

wenn es zerbrochen ist – ist alles zu spät.

ist wirklich was dran. Danach kann man nichts mehr sagen, sich für nichts entschuldigen und schon gar nicht mit demjenigen zusammen sein.

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